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Internationale Jahrestagung in Köln 2018

"Meister Eckhart in Köln"

Call for Papers

Zeit: Donnerstag, 15. März bis Sonntag, 18. März

Veranstaltet vom Thomas-Institut der Universität zu Köln in Verbindung mit der Meister Eckhart Gesellschaft.
Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Speer, Direktor des Thomas-Instituts der Universität zu Köln
Dr. Maxime Mauriège, Beauftragter für das Meister Eckhart-Archiv am Thomas-Institut
Prof. Dr. Freimut Löser, Präsident der Meister Eckhart Gesellschaft

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Meister Eckharts Kölner Jahre stehen zumeist ganz im Schlagschatten des Prozesses, der gegen ihn in dieser Stadt seinen Ausgang nahm. So findet sein Wirken als Lektor am dominikanischen Generalstudium in Köln über das bloße Faktum hinaus kaum Beachtung, während seine dortige Predigttätigkeit häufig im Lichte des Prozesses wahrgenommen wird. Hierzu bieten die Prozeßdokumente reichen Anlaß und ebenso Eckharts Verteidigungsschriften. Nicht zuletzt hat die von Joseph Quint gewählte Editionsstrategie zu einem Bild des Kölner Eckhart beigetragen, das in wesentlichen Teilen von den Häresievorwürfen gegen den Meister geprägt ist.

Diese Leserichtung vom Ende her ist – ungeachtet ihrer Verdienste für die philologische Evidenz – nicht zuletzt deshalb problematisch, da die auf diese Weise intendierte oder gar erzeugte Teleologie nicht zwangsläufig mit den Intentionen und Fakten übereinstimmen muß, die Eckharts letztes großes Wirkungsfeld in Köln bis zum Beginn des Prozesses charakterisieren. Wodurch sind diese Jahre geprägt? Auffällig ist, daß Eckhart seine Kölner Predigttätigkeit offenbar systematisch angelegt hat. Hiervon zeugen die zahlreichen Bezugnahmen auf Themen, Orte und Anlässe. Gibt es einen Kölner Predigtzyklus, wie ist dieser im Kirchenjahr einzuordnen und wie steht es um die Datierung?

Auffällig sind auch die vielfältigen Bezüge auf Paris. Offensichtlich setzt sich Eckhart noch intensiv mit den scholastischen Debatten an der Sorbonne auseinander. Wer sind seine potentiellen Gesprächspartner? Lassen sich hier Unterschiede zu seiner Pariser Zeit als Student, Lektor und Magister feststellen? Gibt es besondere theologische Themen in den Kölner Predigten? Gibt es darin Anzeichen für Diskontinuitäten mit seinen früheren Lehren? Wie steht es um die relative, wie um die absolute Chronologie der Texte? Kann man von einer Entwicklung Eckharts oder gar von einem ‚Spätwerk‘ sprechen? Wie spricht Eckhart konkret in Köln? Welche Hinweise gibt es auf den Zusammenhang zwischen Schreibsprache und Oralität sowie auf den Dialekt? Wer liest wann in welcher Form und in welcher Zusammenstellung die Kölner Texte? Hier stellt sich die Frage von Rezeption und Redaktion. Was läßt sich über die Wirkung der Kölner Texte sagen? Wie weitreichend sind sie? Fungiert Köln als Schaltstelle einer Verbindung zu den Niederlanden?

Zudem bieten Eckharts eigene Übersetzungen zentraler Passage seiner Kölner Predigten ins Lateinische im Rahmen seiner Verteidigung einen Zugang zur Terminologie und zum Zusammenhang von lateinischem und deutschem Werk. Schließlich stellt sich die Frage nach dem historischen Kontext von Eckharts Kölner Zeit: die Situation und Form der Seelsorge, das dominikanische Generalstudium und die deutsche Dominikanerschule, der Einfluß Alberts des Großen, die Stellung der Dominikaner in der Stadt und im Verhältnis zu den anderen Orden sowie zum Erzbischof von Köln. Was ergibt der Vergleich mit anderen volkssprachigen Texten aus Köln (etwa den ‚Kölner Klosterpredigten‘)? Darf man ein ‚Eckhart-Publikum‘ in Köln annehmen? Lassen sich Spuren von Eckharts Tätigkeit auch außerhalb der Predigten und Prozeßmaterialien (etwa in Texten wie ‚Meister Eckharts Wirtschaft‘) finden? Lassen sich Schüler Eckharts (z.B. Tauler, der im Kölner Dominikanerinnenkloster St. Gertrud gepredigt hat) oder Kölner „Eckhartisten“, d.h. Anhänger des Meisters identifizieren und somit Hinweise auf eine mittelbare Überlieferung finden? Wie steht es mit Kölner häretischen Kreisen und speziellen Seelsorgestrategien?

Ziel der Tagung ist eine differenzierte Sicht auf Meister Eckharts Kölner Zeit und eine sorgfältige Spurensuche in den historischen, philosophisch-theologischen und institutionellen Milieus. Die methodische Epoché mit Blick auf den Prozeß bedeutet nicht, daß dieses viel diskutierte und in den letzten Jahren durch die Veröffentlichung der Materialien in den Acta Eckhardiana umfassend erschlossene Thema ausgeblendet werden soll. Die methodische Beschränkung auf die Kölner Zeit bis zum Beginn des Prozesses soll jedoch den Blick auf die Fragen und Zusammenhänge öffnen, die angesichts dieses alles dominierenden Ereignisses bislang nur wenig Aufmerksamkeit gefunden haben und daher weithin unerforscht sind.

Wir laden ein, Themenvorschläge mit einem kurzen Exposé (1 Seite) zu den skizzierten Fragen, bis zum 25. Juni bei den Veranstaltern einzureichen (email: mauriegm@uni-koeln.de & janina.franzke@philhist.uni-augsburg.de).

Darüber hinaus möchten wir Doktorandinnen und Doktoranden, die zu einem Thema zu Meister Eckhart oder seiner Rezeption im Kontext wissenschaftlicher oder geistlicher Literatur promovieren, herzlich zu einem Doktorandenkolloquium einladen, das am 18. März stattfinden wird. Für dieses Kolloquium stehen Stipendien zur Verfügung. Bewerbungen – mit Thema und einem kurzen Exposé (1 Seite) – sind bis zum 15. August bei den Veranstaltern einzureichen (email: mauriegm@uni-koeln.de & janina.franzke@philhist.uni-augsburg.de).